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Сико

Schleiermacher, Friedrich. Aus "Allgemeine Grundlagen der Erziehungtheorie"

Автор: F. D. E. Schleiermacher

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher

Grundzüge der Erziehungskunst

(Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher: Texte zur Pädagogik. Kommentierte Studienausgabe, hrsg. v. M. Winkler u. J. Brachmann, Bd. 2, Frankfurt a.M. 2000, S. 10f., S. 37-39 u. S. 118).

Der Mensch ist ein Wesen, welches den hinreichenden Grund seiner Entwicklung vom Anfange des Lebens an bis zum Punkt der Vollendung in sich selbst trägt. Das liegt schon im Begriffe des Lebens, vornehmlich in dem des geistigen, intellektuellen. Wo ein solcher innerer Grund nicht ist, da ist auch keine Veränderung des Subjekts, oder nur Veränderung mechanischer Art. Darin liegt aber nicht, daß die Veränderungen eines lebendigen Wesens nicht dürfen mitbestimmt und modifiziert sein durch Einwirkungen von außen; vielmehr ist eben dieses das Wesentliche im Begriff der Gemeinschaft, oder wollen wir höher hinaufsteigen, im Begriff der Welt. Der Begriff der Gemeinschaft ist kein anderer als der der Gattung; und bildet nun die Summe aller einzelnen Menschen die menschliche Gattung, so wird die Entwicklung der einzelnen bedingt sein durch die gemeinsame Natur, die sie zur Gattung macht, und durch ihre gegenseitige Einwirkung; denn ohne das gibt es eben kein menschliches Geschlecht, keine menschliche Gattung. Nun aber kann das Verhältnis zwischen dem inneren Entwicklungsprinzip und den äußeren Einwirkungen unendlich verschieden gedacht werden; jedes kann Maximum und Minimum sein; und je geringer man das anschlägt, was von den Einwirkungen anderer ausgeht, desto weniger muß angemessen erscheinen, es als Kunstlehre zu betrachten und eine Theorie dafür aufzustellen. Wie aber liegt die Sache? Ist die Einwirkung der älteren Generation auf die jüngere ein solches Minimum, daß es gar nicht der Mühe lohnt, sie als Kunst zu fassen? Das ist die erste Präliminarfrage. Offenbar gibt es zwei Wege, sie zu beantworten; der eine ist der geschichtliche, der andere der a priori, rein aus dem Begriff. Der letzte würde uns aber zu weit zurückführen, wollten wir die rechten Anknüpfungspunkte finden; wir halten uns also hier lieber an den geschichtlichen und entscheiden die Frage aus der Erfahrung. Nun finden wir schon früh sehr ausgebildete Gemeinwesen, in welchen die ältere Generation sehr bestimmt auf die jüngere einwirkte, nur daß keine Theorie darüber aufgestellt wurde. Wir wollen auf zwei Völker zurücksehen, die uns sehr nahe stehen, das eine in religiöser, das andere in wissenschaftlicher Hinsicht, auf das jüdische, innerhalb dessen das Christentum entstanden ist, auf das griechische, auf dessen Kultur die unsrige gebaut ist. ... Großes Gewicht ... wurde bei diesen Völkern auf die äußeren Einwirkungen gelegt, und wenn die Theorie auch erst später entstand, so fehlte der erziehenden Tätigkeit doch nicht der Charakter der Kunst. Ist doch überhaupt auf jedem Gebiete, das Kunst heißt im engeren Sinne, die Praxis viel älter als die Theorie, so daß man nicht einmal sagen kann, die Praxis bekomme ihren bestimmten Charakter erst mit der Theorie. Die Dignität der Praxis ist unabhängig von der Theorie; die Praxis wird nur mit der Theorie eine bewußtere....
Wenn wir den Menschen in seiner persönlichen Vollkommenheit betrachten am Ende der Erziehung, so muß jeder einzelne in dem Ganzen durch eine eigentümliche Bestimmtheit sich von allen anderen, wenn auch nur graduell unterscheiden, so daß der Grad, in welchem er persönlich eigentümlich ausgebildet ist, zugleich das Maß für die Vollkommenheit seiner Entwicklung überhaupt ist; so wie auch die größere oder geringere seltener oder häufiger hervortretende Eigentümlichkeit der einzelnen in einem Volke den Maßstab für die Bildungsstufe des Volkes gibt. Wenn die persönliche Eigentümlichkeit in einem Volke noch zurücktritt, so steht dasselbe auch auf einer untergeordneten Stufe der Entwicklung. Dies gilt auch von den einzelnen Abteilungen des Volkes. Von dem hier aufgestellten Gesichtspunkt aus werden wir sagen müssen: Das Ende der Erziehung ist die Darstellung einer persönlichen Eigentümlichkeit des einzelnen. Wir haben aber nun dieses mit dem, was wir zuerst als Endpunkt der Erziehung fanden, zu vereinigen. Vermöge des ersten sagen wir: Die Erziehung soll den einzelnen ausbilden in der Ähnlichkeit mit dem größeren moralischen Ganzen, dem er angehört. Der Staat empfängt aus den Händen der Erzieher die einzelnen als ihm analog gebildet, so daß sie in das Gesamtleben als in ihr eigenes eintreten können. Vermöge des anderen sagen wir: Die Erziehung empfängt schon den einzelnen in dieser dem Staate homogenen Bildung, und soll in demselben ein eigentümlich ausgebildetes Einzelwesen darstellen. So gestellt wird niemand zwischen beiden einen Widerspruch finden. Die Volkstümlichkeit ist zwar als Anlage gegeben, die sich von selbst entwickelt, aber nicht so, daß die Einwirkung durch Erziehung überflüssig wäre; die persönliche Eigentümlichkeit aber kann keineswegs willkürlich aufgepropft werden, sondern man kann nur den Indizien, welche allmählich sich manifestieren, nachgehen. So teilt sich das Geschäft der Erziehung in die mehr universelle und die mehr individuelle Seite. Wie diese beiden Aufgaben der Erziehung sich zu einander verhalten, ob sie gleich seien, oder die eine der anderen überzuordnen, dazu haben wir nicht alle Data der Entscheidung.... Bedenken wir dagegen, wie viele Menschen eines Volkes überwiegend nur als Masse erscheinen ohne Eigentümlichkeit, so sieht man, wie der menschlichen Trägheit durch die Erziehung muß entgegengewirkt und der Herausbildung der Eigentümlichkeit zu Hilfe gekommen, dem Übergewicht des Homogenen durch Erregung des Individuellen das Gleichgewicht gehalten werden. Auf der anderen Seite ließe sich folgendes sagen: Weil die persönliche Eigentümlichkeit nicht willkürlich kann eingepflanzt werden, und sehr schwer und spät erkannt wird, so würde es vergeblich sein, die Erziehung darauf zu richten; man müsse nur negativ wirken, daß der Natur kein Hindernis in den Weg gelegt werde; der Natur sei demnach freier Lauf zu lassen. Dagegen vertrage die Erziehung für die Gemeinschaft eine große Menge von Tätigkeiten und Resultate von Tätigkeiten, so daß eine positive Unterstützung von seiten der Erziehung sehr notwendig werde, wenn dieses alles solle geleistet werden. In jedem dieser Gesichtspunkte liegt etwas Wahres, und wir werden nach der jetzigen Lage der Sache weder das eine noch das andere verwerfen können; wir müssen entweder beides kombinieren, oder teilen und sagen, das eine wird richtig sein für einige Gegenstände der Erziehung, das andere für andere. ...
Also Gesinnung und Fertigkeit, beides in seinem ganzen Umfange gedacht, begreifen alle Forderungen, die das Leben an den Zögling, wenn er aus dem Gebiete der Erziehung heraustritt, machen kann; und die unterstützende entwickelnde Tätigkeit hat nur Gesinnung und Fertigkeit zu ihrem Gegenstande, aber so, dass jene nur geweckt und unterstützt werden kann unter der Form der freien Lebenseinwirkungen, diese nur ausgebildet und zur Vollkommenheit gebracht werden können unter der Form des methodischen technischen Verfahrens. Der Gegensatz zwischen dem Gebiete der freien Einwirkungen und dem des methodischen technischen Verfahrens ist ein relativer.
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Dieser Text hat mir freundlicherweise Ekaterina Clauser, ein Student der Sozialen Arbeit, aus Deutschland gesendet.



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